ApoRed erhält Bewährungsstrafe für „Bombenprank“

Zimtschnecke 18. Oktober 2017

Wohl jeder kennt Namen wie Leon Machère, BibisBeautyPalace oder eben auch ApoRed, deutsche Youtuber mit Millionen Followern. Spätestens jedoch seit dem Prozess um seinen „Bombenprank“ ist ApoRed, der bürgerlich Ahmad Ahadi heißt, allen ein Begriff. Nun stand er dafür zusammen mit seinem Freund Jan H. vor Gericht und wurde verurteilt. Wie viele finden, zu Recht.

Doch was war eigentlich passiert? Am 28. Juni 2016 näherte sich ApoRed mit einer schwarzen Sporttasche immer wieder einigen Passanten, z.B. einer Schlange vor einem Geldautomaten. Dann warf er den Leuten die Tasche plötzlich vor die Füße und rief: „30 Sekunden habt ihr alle Zeit, rennt lieber, wenn euer Leben was wert ist.“ Logisch, dass die Menschen in diesen Situationen kurz verwirrt waren, dann jedoch die Beine in die Hand nahmen. Mal ehrlich, wer würde das nicht? Eine Aufklärung der Passanten vor Ort erfolgte im Übrigen nur zum Teil. Manche Beteiligte erfuhren erst im Juli, als ApoRed das Video veröffentlichte, dass es sich um einen schlechten Scherz handelte. Viele davon hatten nach dem Vorfall nach eigenen Aussagen bis heute, also noch über ein Jahr später, mit Schlafstörungen, Panikattacken und Alpträumen zu kämpfen, ein 51-jähriger Mann musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Nach der Veröffentlichung des Videos, in dem die Personen auch nicht unkenntlich gemacht wurden, zeigten einige Betroffene ApoRed an, die Staatsanwaltschaft klagte ihn an.

Weitere Kritik für sein Video bekam ApoRed aufgrund des Timings. Am selben Tag, an dem er sein Video hochgeladen hatte, am 14. Juli 2016, raste ein 31-jähriger Tunesier in Nizza mit einem LKW in eine Menschenmenge, 86 Menschen starben.

Am 12. September 2017 schließlich war der erste Prozesstermin angesetzt. Doch einer fehlte: ApoRed. Nach einiger Wartezeit beantragte die Staatsanwaltschaft dann Haftbefehl, was die Richterin mit der Aussage bestätigte, dass die Zeugen nicht noch einmal umsonst kommen sollten. Obwohl ApoRed in einem Video sagte, dass er entschuldigt nicht erschien, wurde am 04. Oktober 2017 der Haftbefehl vollstreckt und der Youtuber landete in Untersuchungshaft. Sein Freund und Mitangeklagter Jan H. wurde bereits zwei Tage zuvor verhaftet.

Heute, am 18. Oktober 2017, fand nun letztlich doch noch die Verhandlung statt. ApoRed versuchte es am Ende der Verhandlung sogar mit Reue. Er entschuldigte sich für die „dumme“ und „kindische“ Aktion. Gleichzeitig konnte er sich beim Abspielen des Videos das ein oder andere Lachen nicht verkneifen. Kein Wunder also, dass weder Staatsanwaltschaft noch Richterin seine Reue für glaubhaft hielten. „Für ihn ist das Ganze wohl immer noch ein großer Prank.“, erklärte die Staatsanwältin. Die Richterin merkte an: „Ich glaube, Sie müssen mal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden.“ Dass ApoRed darüber hinaus bereits wegen Körperverletzung vorbestraft ist, dürfte ihm ebenfalls nicht gerade geholfen haben.

Am Ende der Verhandlung verurteilte ihn die Richterin zu sieben Monaten auf Bewährung und 200 Arbeitsstunden, da er sich der Körperverletzung, Nötigung und der Störung des öffentlichen Friedens schuldig gemacht habe. Dazu komme noch ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz, da das Video ohne Einwilligung der Beteiligten veröffentlicht wurde. Sein Freund Jan H. wurde übrigens zu 1.200,- Euro Geldstrafe verurteilt, da er sich der psychischen Beihilfe schuldig gemacht habe.

Letztendlich muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ob er die Verurteilung gerechtfertigt findet oder nicht. Die einen mögen mit künstlerischer Freiheit argumentieren, oder dass es doch auch im deutschen Fernsehen Formate gibt, in denen Menschen hereingelegt werden. Jedoch ist sicherlich fraglich, wie weit ein Scherz gehen darf, bevor er geschmacklos oder sogar gefährlich wird. Und es steht außer Frage, dass in diesem Fall Menschen auf psychischer Ebene verletzt, einige sogar nachhaltig traumatisiert wurden.

Abschließend noch eine persönliche Anmerkung der Redaktion: Für uns hat ApoRed spätestens mit seinem „Bombenprank“-Video die Grenze weit überschritten.

Quellen: Die Welt, Hamburger Abendblatt