Cuphead, das Spiel mit dem Teufel?

Butter 20. Oktober 2017

Das Spiel mit dem Teufel, das Dark Souls der Plattformer, Cuphead hatte in letzter Zeit viele Namen in der Community. Doch ist das Spiel wirklich so schwierig und unfair, wie es die Leute bezeichnen, oder sind wir einfach von den aktuellen Schwierigkeitsgraden in Spielen verwöhnt? Ist es mit seinem freundlichen Cartoondesign ein Wolf im Schafspelz? In diesem Review werden wir dem Ganzen ein wenig auf die Schliche gehen.

 

Zuerst stellen wir uns an dieser Stelle die Frage: Was ist Cuphead?

Das Wichtigste zuerst: Cuphead lässt sich in 4 Genres einordnen. In Jump ‘n Run, Run ‘n Gun, Shoot ’em up und in Bullet Hell. Direkt zum Anfang sei jedoch angemerkt, Der Jump ‘n Run und Run ‘n Gun Part ist auch der Grund für die letzten Verschiebungen des Erscheinungsdatums des Spiels.

Ursprünglich sollte Cuphead allein aus den schweren Bosskämpfen bestehen, und Hilfe sind die knackig. Da der Stil des Spiels und das Movement der Protagonisten Cuphead und Mugman jedoch so gut überzeugen konnte, schrien die Leute vermehrt auch nach einzelnen Leveln abseits der Bosskämpfe. Der Entwickler “Studio MDHR” antwortete prompt und fügte dem Spiel die Run ‘n Gun Level hinzu.

 

 

Dies führt uns auch direkt zum nächsten Punkt: Warum ist Cuphead so schwer?

Cuphead erscheint uns deshalb so schwer, da durch die Trennung von Level und Bosskampf ganz neue Ebenen von Schwierigkeitsgraden möglich sind. Vergleichen wir das Spiel an dieser Stelle einmal beispielsweise mit einer ähnlichen Videospielreihe, nämlich Contra. In Contra haben wir zuerst einen minutenlangen Run ‘n Gun Level vor uns, bevor wir überhaupt den Boss zu Gesicht bekommen. Damit das Erlebnis, so schwierig die Level und Bosskämpfe auch sein mögen, immer irgendwo ausbalanciert ist, müssen an beiden Stellen die Schwierigkeitsschrauben ein bisschen gelockert werden. Mal ein schwerer Level und dafür ein einfacherer Boss, mal genau umgedreht. Durch die strikte Trennung von Level und Bosskampf, umgeht Cuphead genau dieses Balancing. Des Weiteren ergeben sich daraus auch im Leveldesign einige neue Wege und Möglichkeiten.

Das Spiel orientiert sich hierbei nicht nur stilistisch an einer früheren Zeit, beispielsweise den Max Fleischer Cartoons der 1930er Jahre, sondern auch an einer Herangehensweise an das Gameplay und die Story, die Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre in der Videospielindustrie üblich war. Wir haben eine kurze, aber ausreichend lange Story, die über schöne Dialoge und damit einhergehende Zwischensequenzen erzählt wird, und um die Spielerfahrung so lang wie möglich zu halten, sind teilweise Pixelperfect-Skills von Nöten.

An dieser Stelle sei bereits gesagt: Ja, wir sind durch die heutigen Spiele nicht mehr viel in dieser Hinsicht gewohnt. Jedoch gibt es hier ein großes ABER, weshalb das Spiel eigentlich den Namen Dark Souls der Plattformer verdient. Nicht etwa weil es so schwer erscheint, wie manche ein Dark Souls von außen sehen, sondern weil es schwer, aber dabei dennoch immer fair ist. Viele Abschnitte in diesem Spiel unterliegen festen, aber nicht zu schweren Mustern.

Hier nehmen wir aber noch einmal die Kurve und kommen zur Trennung von Level und Bosskampf zurück und was Cuphead an dieser Stelle so einzigartig macht. Wie eingangs erwähnt, sind hierdurch ganz andere Gestaltungsarten in Punkto Schwierigkeitsgrad möglich und man muss vor den Entwicklern einfach den Hut ziehen.

Studio MDHR hat es geschafft dem Spiel einen sich angenehm steigernden Skillanspruch zu verpassen und dabei immer fair zu bleiben. Die Run ‘n Gun Level sind schwer, aber nicht zu schwer und steigern sich entsprechend immer ein Stückchen von Welt zu Welt. Dasselbe Prinzip wurde auch bei den Bosskämpfen umgesetzt, die aber anders die Run ‘n Gun Level über 3 verschiedene Schwierigkeitsgrade verfügen. (Der Schwierigkeitsgrad “Extreme” ist erst nach einmaligem Durchspielen des Spiels verfügbar.)

Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade bringen uns auch zum nächsten Punkt und einer sehr wichtigen Frage.

 

 

 

Ist das Spiel nur für die Elite?

Diese Frage kann ich an dieser Stelle direkt verneinen, wobei es hier auch einen bittersüßen Beigeschmack gibt. Viele halten es für unfair, dass man die letzten beiden Bosse und entsprechend das Ende der Story nicht zu sehen bekommt, wenn man das Spiel auf dem Schwierigkeitsgrad “Einfach” durchspielt. Sie reden an dieser Stelle meist von etwas, was man als Skillzensur bzw. nur für die Elite bezeichnen könnte.

Diese lassen sich nämlich nicht vereinfachen und sind nur auf “Normal” oder “Extrem” spielbar. Wäre dies anders, würde sich wohl selbst ein “Einfach”-Spieler vorkommen, als hätte er Stützräder an seinem Fahrrad. Ganz zu schweigen davon, dass dieser Eindruck teilweise bereits bei den anderen Bossen im Spiel entsteht, wenn man diese auf “Einfach” spielt. Die einzelnen Phasen sind dann vereinfacht und/oder geringer in ihrer Anzahl. Und seien wir mal ehrlich: Mit Stützrädern fahren wird schnell langweilig. 😉

Wenn man an dieser Stelle also nicht nur meckert, um Meckern zu können, ist diese Vorgehensweise seitens der Entwickler durchaus nachvollziehbar.

 

Fazit

Cuphead ist ein rundum stimmiges Gesamtwerk. Vom schönen Stil der 1930er Jahre Cartoons, über den großartig komponierten Soundtrack bis hin zum Gameplay und Leveldesign passt einfach alles. Wer sich für ein Spiel wirklich Zeit nehmen möchte und nicht, wie in unserer Wegwerfgesellschaft üblich, einfach nur schnell rein und raus will, wird von diesem Spiel absolut begeistert sein. Das Spiel ist für anspruchsvolle Neulinge und Veteranen gleichermaßen geeignet und ist seinen Preis von 19,99 € auf Steam allemal wert.

Ich als Videospielveteran, gerade in diesem Schwierigkeitssegment, kann dieses Spiel jedem ernsthaften Gamer nur wärmsten empfehlen.

 

PS: Sollte euch das Spiel dennoch zu schwer sein, hilft vielleicht ein Pakt mit dem Teufel. 😉